Sonntag, 25. November 2018

Favorite Books #1: Frühlings Erwachen - Frank Wedekind

Heute, knöpfe ich mir mal eines meiner Lieblingsbücher vor um es genau unter die Lupe zu nehmen. Es gibt einen kleinen Einblick und meinen persönlichen Senf zu einem Buch, dass ich viele Jahre als Reclam Fassung in meiner Handtasche herum getragen habe. Es geht um Frühlings Erwachen von Frank Wedekind. Ein Buch, welches eigentlich ein Theaterstück ist, dass kritisch und satirisch zugleich auf die Gesellschaft seiner Zeit blickt. Eine dramatische Geschichte um das erwachsen werden in der Zeit um 1880 - 1890. Nicht umsonst, hat das Werk den Untertitel "Eine Kindertragödie".



Ein paar Eckdaten zum Stück/Buch;

Frühlings Erwachen - Eine Kindertragödie 
Geschrieben von Frank Wedekind in gut einem halben Jahr, zwischen 1890 und 1891 und erschien noch im selben Jahr. Inspiriert wurde Wedekind dabei von den eigenen Erfahrungen, die er in den Jahren 1883 und 1885 machte, als sich zwei seiner selbst töteten. Diese beiden Mitschüler, dienten ihm sowohl als Inspiration für das gesellschaftskritische Drama, als auch als Vorlage für die Figur  Moritz Stiefel. Einer der Mitschüler - Moritz Dürr - weihte Wedekind zu jener Zeit in sein Vorhaben sich selbst umzubringen ein, worauf hin dieser ihm versprach ein Drama über ihn zu schreiben. Frühlings Erwachen wurde von Wedekind in Selbstpublikation gedruckt und veröffentlicht, weil der ursprünglich geplante Verlag das Werk aus Angst vor rechtlichen Folgen ablehnte. Das ursprüngliche Titelbild, das eine Frühlingslandschaft zeigte, wurde von Franz von Stuck gestaltet. Zeit weilen wurde das Stück auf Grund seiner angeblichen Obszönität verboten und zensiert.


Handlung/Thematik;

Das Werk erzählt die Geschichte mehrerer Jugendlicher zu Beginn ihrer Pubertät. Es greift die Thematik auf, wie schwierig es in der damaligen Zeit für Teenager gewesen ist - mitten zwischen emotionalem Chaos, beginnendem sexuellen Interesse, schulischem Leistungsdruck und gesellschaftlicher Intoleranz der Erwachsenenwelt. Es zeigt sehr dramatisch und kritisch auf, welch enormer Druck auf Kindern/Jugendlichen dieser Zeit lag und welche weitreichenden Schäden, bis hin zum Tod, dieser nach sich ziehen konnte. Für uns, aus heutiger Sicht vergleichsweise harmlose Probleme, wie mindere schulische Leistung, sexuelle Orientierung und Ähnliches waren für Jugendlichen in dieser Zeit eindeutig Grund genug um den Freitod zu wählen. Dies beleuchtet Wedekind in seinem Stück sehr kritisch und lässt auch ein Stück unterhaltende und auflockernde Satire nicht vermissen.

Im Wesentlichen handelt das Stück von einer Gruppe Jugendlicher, ihrem Leben unter dem Leistungsdruck des Gymnasiums. Der fehlenden Aufklärung der damaligen Zeit, die besonders durch die aufkeimende Neugier zu Beginn der Pubertät einige Schwierigkeiten mit sich bringt sowie der Tragödie wie sie auf dieser Grundlage nun mal kommen muss. Man könnte es, ohne dies negativ zu meinen, mit einer RTL-Dokumentation über Jugendlichen vergleichen nur eben um 1890. Es gibt sehr viel Tragik und aus heutiger Sicht bekommt man beim Lesen in mehreren Szenen den Gedanken, dass sich die Gesellschaft in einigen der hier kritisch beleuchteten Themen, bis heute nicht verändert hat.


Protagonisten;

Melchior Gabor, der kluge und aufgeklärte Gymnasiast mit der nachsichtigen und aufgeschlossenen Mutter.
Moritz Stiefel, Melchiors Freund und schlechtester Schüler seiner Klasse der im Verlauf besonders von seiner gerade beginnenden Pubertät gepeinigt wird.
Wendla Bergmann, ein neugieriges junges Mädchen aus bürgerlichem Haus und ihre altmodische Mutter die versucht das pubertierende, wissbegierige Kind im "Dunkeln" stehen zu lassen, was Wendla später zum Verhängnis wird.
Der vermummte Herr, diese Figur soll in dem Stück eine Analogie für das Leben selbst sein.


Umsetzungen;

Das Stück selbst wurde im Jahr 1906 uraufgeführt. Darüber hinaus wurde es 1923 das erste Mal verfilmt und 2006 hatte es als Musical Premiere am Broadway. 2009 wurde eine zeitgemäßere Adaption für das ZDF verfilmt.


Meine Meinung;


Zum ersten Mal gelesen habe ich Frühlings Erwachen, als ich selbst ungefähr 13-14 Jahre alt war. Schon wie vor gut 120 Jahren, traf das Werk sowohl zu dieser Zeit als auch noch heute genau den Nerv der Gesellschaft. Im Grunde geht es um die Kernthemen, die wohl jeden jugendlichen früher oder später beschäftigen. Es geht um die erste Liebe, erste sexuelle Erfahrungen, Leistungsdruck in der Schule, Probleme mit den Eltern. Damals wie heute, hat sich eigentlich nicht viel an diesen Themen geändert - sie waren und bleiben, für jeden Jugendlichen, an irgendeinem Punkt innerhalb der Pubertät einfach aktuell. Wenn sich die Gesellschaft augenscheinlich auch sehr weiter entwickelt haben mag, würde ich sagen bleiben die Probleme - mit mehr oder weniger gleicher Dramaturgie - eben doch genau die, die Wedekind in seinem Werk schon sehr treffend dargestellt hat. Abgesehen davon das ich persönlich den Sprachgebrauch in alten Stücken wie diesem sehr mag, ist Frühlings Erwachen eine mehr oder weniger schwere Lektüre die in jedem Alter irgendwie zum nachdenken anregt. Von Wedekind gut ins Licht gerückt und nicht zuletzt dadurch, dass es sich eben ursprünglich um ein Theaterstück handelte, hat man bei jeder Szene des Buchs eigentlich immer ein sehr klares Bild vor Augen - auch mit wenig Fantasie - malt der Schöpfer seine Geschichte vor das innere Auge des Lesers so das man sich sowohl Wendla in ihrer "Nachtschlumpe", als auch Moritz mit dem Kopf unter dem Arm sehr gut vorstellen kann. Man kann sich gut in die Geschichte hineinfühlen, weil wir eben alle einmal Jugendliche waren.

Fazit;

Ich würde jedem - ab einem Alter von ca. 14 Jahren - dieses Buch/Stück wärmstens ans Herz legen. Besonders denen, die wie ich schon einige Jahre weit von der Pubertät entfernt sind, gibt dieses Buch die Gelegenheit auf das eigene, frühere Selbst zurück zu blicken oder auch für die eigenen Kinder einen etwas kritischeren Blick auf die aktuelle Gesellschaft an den Tag zu legen. Unbedingt lesenswert.



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