Montag, 14. Januar 2019

Mutters Gefühle - Gedanken zum nachdenken

Ich habe schon länger überlegt ob und wie ich eine Serie, Reihe oder wiederkehrende Kolumne in den Blog einbauen könnte und vor allem zu welchem Thema. In Zukunft wird es definitiv auch noch die ein oder andere Serie oder Reihe geben, dass steht fest.

Dennoch geht heute die Kolumne Mutters Gefühle - Gedanken zu nachdenken an den Start.



Mutters Gefühle - Gedanken zum nachdenken - eine Kolumne

Ein heutiges Erlebnis mit unserem Minimenschen hat mich sehr zum nachdenken gebracht. Dadurch und durch das Gespräch mit dem Minimensch-Papa zu dem Erlebnis, kam mir eine Frage in den Sinn welcher ich mich mit dieser Kolumne widmen will. Hier geht es nicht um Erziehungstipps oder einen Mehrwert in Form von Ratschlägen. Der einzige Mehrwert den ihr vielleicht - oder vielleicht auch nicht - aus dieser Kolumne ziehen könnt wird der sein, dass Gefühl zu haben mit den eigenen Gefühlen nicht allein zu sein. Ich möchte mich dem widmen was ich als Mutter fühle. Nicht für meine Kinder - die Antwort darauf ist klar - sondern in verschiedenen Situationen des Lebens als Mutter. Wir beschäftigen uns als Mütter oft mit dem Thema Muttergefühle.

Mut­ter­ge­fühl, das

Substantiv, Neutrum
von einer Mutter ihrem Kind entgegengebrachtes Gefühl der Zuwendung, Fürsorglichkeit o. Ä. 
         (Zitat: Duden)


Viel zu selten befassen wir uns aber mit unseren Gefühlen gegenüber den Situationen in unserem Alltag als Mütter. Unsere ganz eigenen Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit, Unsicherheit. Wir lieben unsere Kinder - keine Frage. Dennoch haben wir ja auch noch andere Gefühle im Bezug auf das Thema Mutter sein. Natürlich braucht eine Kolumne irgendwie einen Namen der sie - besonders wie hier in einem Blog - deutlich von dem anderen Content trennt. Die Gedanken zum Thema Muttergefühle haben mich dann schlussendlich zu "Mutters Gefühle" gebracht. Meinen Gefühlen als Mutter.



"Ich geh nicht in den Kindergarten!" 

Das Erlebnis des heutigen Morgens über das ich erzählen möchte dreht sich um den Kindergarten. Unser Minimensch geht seit August 2017 in die KiTa. Ihm fiel es damals sehr schwer sich in die neue Situation einzugewöhnen und es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis er sich eingelebt hat.

Fast ein halbes Jahr lang saß unser Minimensch jeden Tag von 9-14 Uhr in seiner Gruppe auf der Couch und hat ein und das selbe Buch angesehen und dabei die anderen Kinder beobachtet. Er hat nicht gespielt, nicht gegessen, nicht am Stuhlkreis teilgenommen, ist nicht mit nach draußen gegangen. Ich habe irgendwann nicht nur an meinen eigenen Kompetenzen gezweifelt sondern mir auch die Frage gestellt ob wir vielleicht den Kinderarzt mit dem Thema konfrontieren sollten um zu sehen, ob es einen Grund dafür gibt das unser Zwerg sich irgendwie nicht an sein neues Umfeld gewöhnen kann. Doch dann machte es irgendwie Klick und von einem Tag auf den anderen hat der Minimensch sich in den Gruppenalltag eingefügt, mit den anderen Kindern und den Erzieherinnen interagiert und Freunde gefunden. Seit dem klappt es super, er geht gern in den Kindergarten. Er fragt an manchen Wochenenden schon Samstags wann er wieder in den Kindergarten geht, erzählt das er seinem Freund Dieses oder Jenes zeigen will.

Und dann gibt es so Tage wie heute. Eigentlich ist alles wie immer. Der Minimensch steht auf, zieht sich an, frühstückt und ist quasi schon abfahrbereit für den Kindergarten und auf einmal kommt "Ich geh nicht in den Kindergarten!". Tja. Ich versuche auf Augenhöhe darauf einzugehen. Frage nach dem Warum und so weiter und sofort. Versuche diplomatisch zu sein und biete Kompromisse an. "Du gehst in den Kindergarten und heute Nachmittag können wir XYZ machen wenn du zuhause bist". Meistens klappen diese Kompromisse. Heute nicht. Heute war der Minimensch so felsenfest versteift auf seine Entscheidung das es im Endeffekt in ein schreien, weinen, um sich schlagen und treten gemündet ist und der Papa ihn dann schließlich die Treppe runter und zum Auto tragen musste weil er sich einfach mit Händen und Füßen und lautstark geweigert hat in den Kindergarten zu gehen.

Diese Situation kennen viele Mütter und Väter. Und ich weiß sogar mit ziemlich großer Sicherheit das viele sie kennen, denn als der Minimensch dann weg war habe ich erstmal das große G dazu befragt woran sein plötzliches "nicht in den Kindergarten wollen" liegen kann und wie man damit umgeht. Und ich bin auf zahlreiche Beiträge aus Foren, Artikel zum Thema und vieles mehr gestoßen. Viele Eltern berichten von diesen und ähnlichen Erlebnissen.

Letzten Endes gibt es aber nur zwei Lager zu dem Thema, wenn es darum geht wie man mit diesen Situationen umgehen soll.

Fraktion A: Dem Kind auf Augenhöhe begegnen, die Gründe hinterfragen, in das Kind einfühlen und das Kind nicht zwingen. Ergo; das Kind bleibt zuhause.

Fraktion B: Versuchen dem Kind zu kommunizieren das es keine andere Wahl hat und es kurz gesagt einfach im Kindergarten abliefern, zur Not wütend und tobend oder sogar im Schlafanzug. Die Erzieherin in die emotional geladene Situation eingreifen lassen und schnell verschwinden.

Ich habe also gelesen und nachgedacht. Und beides fühlt sich nicht richtig an. Der Ansatz von Fraktion A entspricht mir vom Gefühl her. Ich möchte auf die Gefühle meines Kindes eingehen, ihm zeigen das es gehört wird und das seine eigene Meinung wichtig und seine Gefühle in Ordnung sind. Ich möchte es nicht zu etwas zwingen das es nicht will. Tja. Das geht aber leider nicht immer. Mir stellt sich dann nämlich wieder die Frage; "Wenn ich jetzt nachgebe und ihn zuhause lasse, gewöhnt er sich vielleicht zu sehr daran und das Drama wird im Februar wenn ich meine Umschulung beginne noch größer sein?". Auf der anderen Seite kann ich mit der Einstellung von Fraktion B, für mich persönlich, gar nichts anfangen. Ich möchte mein Kind nicht zwingen wie gesagt. Ich möchte es nicht schreiend und strampelt in den Kindergarten zerren, der Erzieherin in die Hand drücken und verschwinden und ihm das Gefühl geben das es mir egal ist wie er sich fühlt.

Von allen Beiträgen und Artikeln die ich gelesen habe, wurde mich schlussendlich nur ein Gefühl vermittelt; Ohnmacht. Egal wie du es machst, du kannst es nicht richtig machen. Ohnmacht ist wohl eines der am meisten belastenden Gefühle für viele Menschen. Besonders aber denke ich für Mütter, wenn es um ihre Kinder geht. Man will alles richtig machen. Das Beste für sein Kind entscheiden. Den richtigen Weg gehen. Und dann steht man vor der Weggabelung und muss entscheiden ob rechts oder links und auf beiden Wegweisern vor einem steht einfach "falscher Weg". Wie soll man dann entscheiden?

Ich fühlte mich heute morgen einfach nur elend. Ich wollte dem kleinen, schreienden Minimenschen so gern irgendwie helfen und eigentlich hätte ich ihn am liebsten zuhause behalten und gern mit Pauken und Trompeten sämtliche Pläne für die Umschulung abgesagt. Aber halt. Natürlich wäre das absolut dumm. Ich habe über zehn Jahre auf diese Möglichkeit und Chance gewartet die sich mir mit der Umschulung nun endlich bietet. Natürlich stehen die Kinder immer an erster Stelle. Aber ich tue das ja nicht nur für mich, sondern auch für sie. Finanzielle Sicherheit wird immer wichtiger in unserer Gesellschaft und spätestens an der Großen mit ihren 11 Jahren wird sehr deutlich, wie schnell soziale Unterschiede einen an den Rand der Gesellschaft manövrieren. Ich möchte das meine Kinder es besser haben als die letzten Jahre. Also ist die Umschulung unumgänglich. Natürlich möchte ich auch ein Vorbild sein. Auch dazu ist sie nötig. Außerdem möchte ich diese Umschulung ja auch für mich. Etwas erreichen im Leben. Schwubs, jetzt fühlte ich mich auch noch egoistisch. Muss ich mich selbst nicht zu 100% hinten anstellen als Mutter? Meine Bedürfnisse kommen zum Schluss, wenn noch Zeit ist. So wird es uns Müttern immer häufiger suggeriert. Erziehung auf Augenhöhe. Oder besser gar keine Erziehung, nur noch Begleitung. Nicht antiautoritär sondern gleichwertig.

Ich war mir eigentlich immer sehr sicher darin, wie ich mir Erziehung vorstelle. Welchen Weg ich einschlagen will. Den Kindern auf Augenhöhe begegnen ist mir wichtig. Ihre Gefühle wertschätzen und auch Rücksicht darauf nehmen. Aber trotzdem Grenzen setzen und Konsequenzen durchsetzen. Konsequent war ich nie wirklich und das klappte von allen guten Vorsätzen für meine Erziehung immer am wenigsten. Der konsequente Part ist bei uns eindeutig der Papa. Mir passiert es immer wieder das ich dann doch "Mitleid" habe und nachgeben wenn das gefühlt zweihundertste "Bitte, bitte" kommt. Nun bringt mich der Alltag aber immer wieder in die Zwickmühle denn das Leben ist eben kein Ponyhof und die geplanten Methoden lassen sich einfach nicht immer und auf jede Situation anwenden. Kinder sind keine Computer und reagieren nie zweimal auf die gleiche Art, selbst wenn die Situation augenscheinlich genau die gleiche ist. Das gleiche gilt für Mütter.

Dann kommen dazu ja noch die lieben Medien. Wer viel über Erziehung und Elternschaft liest, der wird mit jedem weiteren Wort mehr verwirrt und verunsichert. Siehe oben mit Fraktion A und Fraktion B. Egal wie man es macht, es fühlt sich falsch an sobald man ein Elternmagazin aufschlägt, ein Forum oder einen Blog liest, mit anderen Müttern spricht. Es gibt immer einen "Wie kann man nur"-Zeigefinger von irgendwem.

Es gibt keine richtige Lösung. Keine richtige Antwort. Es gibt definitiv ein paar Grundsätze, finde ich persönlich. Zum Beispiel das Erziehung immer gewaltfrei sein muss. Für alles andere gibt es unzählige Tipps, Ratschläge, Studien, Ansätze, Modelle. Wie man es macht, man macht es immer falsch in den Augen von irgendjemandem. Ich finde es schwer, wirklich schwer, mir selbst immer wieder vor Augen zu halten das es wichtig ist das ich als Mutter meinen eigenen Weg finde und das was ich tue für richtig halte. Das ich hinter mir selbst und meiner Erziehung stehe. Das was dabei am wichtigsten ist, ist das Kind und das es ihm damit gut geht. Was die Umwelt denkt, ist uninteressant.
Ich will mich nicht mehr verunsichern lassen von Medien, Studien, Zeigefinger-Müttern.

Und vielleicht ist es auch okay, wenn man sich nicht bei jeder mütterlichen Entscheidung und deren Umsetzung super fühlt und ganz sicher ist. Vielleicht müssen wir manchmal unglücklich darüber sein, wie wir entscheiden. Ist das nicht vielleicht sogar der einzige Weg, wie wir uns selbst verbessern können in dem was wir tun? Ich will mich in meiner "Arbeit" als Mutter entwickeln. Wenn jeder Entscheidung und Erziehungsmaßnahme sich immer richtig anfühlen würde, würde ich heute noch alles genauso machen wie vor 8-9 Jahren bei meinem ersten Kind und da habe ich definitiv einiges - für mein heutiges Empfinden - falsch gemacht. Es tut weh als Mutter mit den eigenen Entscheidungen ins Klo zu greifen und es tut weh zu sehen, dass auch das Kind in dem Moment vielleicht darunter leidet. Aber diese Verantwortung übernehmen wir wohl.




Kommentare:

  1. Hallo Romi,

    mir gefällt Dein Blog!
    Beim Stöbern auf Deinen Seiten sehe ich vieles das mich selber um- und antreibt.
    Den eigenen Weg gehen ist schwer, oft noch schwieriger finde ich ist es den Weg überhaupt zu sehen. Und immer wieder den Mut zu haben, es anders zu machen. Nicht weil man es unbedingt anders machen möchte, sondern weil es manchmal nicht anders geht ... hui, das klingt aber kompliziert!

    Für meine Mama-Gedanken/Gefühle/Situationen oder anders, für die Weisheiten meines Sohnes, habe ich auf unserer kleinen Erzählplattform auch eine wiederkehrende Reihe geschaffen (ganz überraschend heisst die "MAMA...") und aus irgendeinem Grund mag ich es sie mit einer kleinen Vogelfamilie zu bebildern....

    Ganz liebe Grüße aus dem Norden
    Nina

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  2. Hallo Romi,

    erstmal gibts ein "Nerd-High-Five" von mir. :-)

    Dieses Gedankenkarussell in Bezug auf richtig und falsch kennt wohl jede Mutter.
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    Die Verunsicherung ist groß und richtig schlimm wird es, wenn sich Mütter untereinander bekriegen anstatt sich zu unterstützen.
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    Ich stelle mich auch ganz klar gegen die "Zeigefinger-Mütter".
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    Mein Fokus liegt nicht auf Ratgebern, Magazinen, Tipps von Außenstehenden.
    Es geht um mein Bauchgefühl, meine Intuition.
    Wenn ich danach handle, ist es "richtig."
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    Liebe Grüße,
    Conni von muttersprach.de

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